BARF beziehungsweise Rohfütterung wird sehr unterschiedlich umgesetzt. Eine langfristig geeignete Ration muss den Energie- und Nährstoffbedarf des einzelnen Hundes decken. Gleichzeitig bringt der Umgang mit rohem Fleisch hygienische Risiken für Hund und Haushalt mit sich.
Das Wichtigste zur Rohfütterung
- Eine ausgewogene BARF-Ration besteht nicht automatisch durch Abwechslung.
- Fleisch allein deckt den Bedarf an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen nicht sicher.
- Welpen und Hunde in besonderen Lebensphasen reagieren besonders empfindlich auf Fehler.
- Rohes Fleisch kann Krankheitserreger enthalten und den Haushalt kontaminieren.
- Rationsberechnung und Hygiene müssen gemeinsam betrachtet werden.
Warum eine BARF-Ration berechnet werden sollte
Der Hund benötigt nicht nur Protein und Fett, sondern auch eine passende Versorgung mit Calcium, Phosphor, essentiellen Fettsäuren, Vitaminen und Spurenelementen. Das Verhältnis der einzelnen Bestandteile muss zum Alter, Gewicht, Energiebedarf und Gesundheitszustand passen.
Eine Ration kann abwechslungsreich aussehen und trotzdem dauerhaft zu wenig oder zu viel einzelner Nährstoffe liefern. Besonders kritisch sind unausgewogene Rationen bei Welpen, großen Junghunden, trächtigen oder säugenden Hündinnen und kranken Hunden.
Eine qualifizierte tierärztliche Ernährungsberatung kann die Ration berechnen und später kontrollieren. Änderungen einzelner Zutaten sollten nicht ohne Prüfung vorgenommen werden, weil sich dadurch mehrere Nährstoffwerte gleichzeitig verschieben können.
Welche Hygienerisiken bestehen?
Rohes Fleisch kann unter anderem mit Salmonellen, Listerien oder anderen Krankheitserregern belastet sein. Ein Hund muss dabei nicht sichtbar krank werden, kann Erreger aber über Maul, Speichel, Fell, Futternapf oder Kot in der Umgebung verteilen.
Besonders sorgfältig sollte abgewogen werden, wenn im Haushalt kleine Kinder, Schwangere, ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem leben. Auch für Welpen, sehr alte oder immungeschwächte Hunde ist das Risiko bedeutsam.
Hygieneregeln beim BARFen
- Rohes Tierfutter getrennt von Lebensmitteln für Menschen lagern.
- Kühl- und Tiefkühlkette zuverlässig einhalten.
- Futter im Kühlschrank und in einem geschlossenen Behälter auftauen.
- Hände nach jeder Zubereitung gründlich waschen.
- Arbeitsflächen, Messer und Bretter direkt reinigen.
- Futternäpfe nach der Mahlzeit mit heißem Wasser säubern.
- Futterreste nicht lange bei Raumtemperatur stehen lassen.
- Auftauflüssigkeit und Verpackungen sicher entsorgen.
- Den Hund nach dem Fressen nicht unmittelbar Gesicht oder Hände ablecken lassen.
Ein eigenes Schneidebrett und eigene Küchenutensilien für Tierfutter reduzieren das Risiko einer Kreuzkontamination.
Sind rohe Knochen notwendig?
Knochen sind keine risikofreie Calciumquelle. Sie können Zähne schädigen, im Maul oder Verdauungstrakt stecken bleiben, Verstopfung verursachen oder zu Verletzungen führen. Gekochte Knochen sind wegen ihrer veränderten Struktur besonders ungeeignet.
Die Mineralstoffversorgung kann auch über eine fachlich berechnete Alternative erfolgen. Welche Lösung passt, hängt von der gesamten Ration ab.
Was ist mit Fertig-BARF?
Auch tiefgekühlte oder fertig portionierte Rohfutterprodukte sind nicht automatisch bedarfsdeckend. Prüfen Sie, ob das Produkt als Alleinfutter oder Ergänzungsfutter gekennzeichnet ist. Bei Ergänzungsfutter muss die fehlende Nährstoffversorgung anderweitig geplant werden.
BARF bei Erkrankungen
Bei Erkrankungen von Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm oder Harnwegen sowie bei Futtermittelreaktionen darf die Ration nicht nach allgemeinen Internetplänen zusammengestellt werden. Nährstoffmengen, Fettgehalt, Proteinquellen und Mineralstoffe müssen gegebenenfalls gezielt angepasst werden.
Gibt es nachgewiesene gesundheitliche Vorteile?
Die WSAVA weist darauf hin, dass gesundheitliche Vorteile roher Rationen gegenüber geeigneten kommerziellen oder fachlich formulierten gekochten Rationen nicht zuverlässig belegt sind. Gleichzeitig bestehen Risiken durch unausgewogene Zusammensetzung und Krankheitserreger.
Grundlagen zur bisherigen Berichterstattung auf hundeallerlei finden Sie in Was ist BARF? und Rohfütterung des Hundes.
Fazit
Wer roh füttert, sollte Rationsberechnung, Lebensphase und Haushaltshygiene ernst nehmen. „Abwechslungsreich“ ist nicht automatisch ausgewogen, und Einfrieren beseitigt nicht zuverlässig alle Krankheitserreger.
Hinweis: Die individuelle Zusammenstellung sollte mit einer qualifizierten tierärztlichen Ernährungsberatung abgestimmt werden.



































